zooschweiz - Verein wissenschaftlich geleiteter zoologischer Gärten der Schweiz
zoosuisse - Association des parcs zoologiques suisses gérés de façon scientifique

Aktuelle Nachrichten

Pressemeldung vom 4. Juli 2019

Nach 400 Jahren: Erster wildlebender Waldrapp quert die Alpen in die Schweiz 

Bis ins Mittelalter war der Waldrapp eine verbreitete Zugvogelart in Europa. Bekannte ehemalige Brutkoloniestandorte dieses Felsnischenbrüters waren unter anderem die Molassewände entlang des Bodenseeufers bei Überlingen in Baden-Württemberg und die Felswände bei Bad Ragaz im Kanton St. Gallen. Jetzt begründet der junge Waldrapp Sonic die Hoffnung, dass die Art wieder an diese historischen Brutstandorte zurückkehrt.

Sonic, ein weiblicher Waldrapp, wurde 2017 als Küken einer Zookolonie entnommen, von menschlichen Zieheltern aufgezogen und mit 30 Artgenossen darauf trainiert, einem Fluggerät im Herbst von Überlingen aus bis in die südliche Toskana zu folgen. Dort wurde sie ausgewildert. Zwei Jahre später, am 5. Juni 2019, verliess Sonic die Toskana wieder. Ihr Flug kann dank eines GPS-Senders über die App Animal Tracker mitverfolgt werden. Bislang hat Sonic mehr als 1500 Kilometer zurückgelegt. Anfangs folgte sie einem direkten Kurs Richtung Überlingen und flog über den Lago di Iseo in die Alpen. Beim Anflug auf das Ortler-Massiv, auf 2229 Meter über Meer, kehrte sie aber um und suchte daraufhin eine Route weiter westlich. Sie flog zum Lago di Como und von dort aus nach Graubünden. Seit 24. Juni hält sich Sonic in der Schweiz auf.

Schon die Gründung der ersten Zugroute von Kuchl bei Salzburg und Burghausen in Bayern in die Toskana mittels der menschengeführten Migration war ein vielbeachteter Erfolg des Waldrappteams. Der Flug von Sonic ist ein weiterer Meilenstein bei der Entwicklung dieser Artenschutzmethode. Ausgehend von einem gemeinsamen Wintergebiet folgte Sonic einer direkten Route in ihr Brutgebiet, während andere Artgenossen entlang einer deutlich weiter östlich gerichteten Route nach Salzburg und Burghausen fliegen. Johannes Fritz, Leiter des Wiederansiedlungsprojektes: „Sonic bestätigt, dass man mit unserer Methode auch komplexere Zugmuster gründen kann, wie sie bei den meisten Zugvogelarten zu finden sind. Das ist ein essentieller Fortschritt für die Wiederansiedlung des Waldrapps. Dadurch erschliessen sich aber auch bedeutende neue Möglichkeiten für den Artenschutz bei Zugvögeln.“

Sonic ist noch nicht geschlechtsreif. Es gibt für sie keine Notwendigkeit den ganzen Weg in das Brutgebiet bis nach Überlingen am Bodensee zu fliegen. Offenbar hat sie bei Bad Ragaz und im Raum Chur ein attraktives Nahrungsgebiet gefunden. Sie könnte sich dort noch länger aufhalten. Ob sie dann von dort weiter nach Überlingen fliegt oder direkt in die Toskana zurückkehrt, ist zurzeit nicht voraussagbar.

 

Pressemeldung vom 11. September 2018

Erfolgreiche Migration 2018

Am 28. August 2018, genau zwei Wochen nach dem Start in Überlingen am Bodensee (D), ist das Waldrappteam mit 29 handaufgezogenen Waldrappen am Rande des WWF-Schutzgebietes Oasi Laguna di Orbetello gelandet. Die gesamte Migrationsstrecke von 885 Kilometern wurde in fünf Flugetappen bewältigt.

 

Pressemeldung vom 22. August 2018

Fünfte menschengeführte Waldrapp-Migration

Am 15. August startete die fünfte menschengeführte Migration im Rahmen des Europäischen LIFE+ Wiederansiedlungsprojektes in Überlingen am Bodensee. Am 21. August erreichte das Team den Flugplatz Thiene am Nordrand der Poebene. In nur drei Flugetappen mit einer Gesamtstrecke von 408 Kilometer wurden die Alpen überquert. .

Waldrappe kurz vor der Landung in Thiene am Rande der Poebene am 21. August 2018./Les ibis chauves peu avant l’atterrissage à Thien, en bordure de la plaine du Pô, le 21 août 2018. Photo: Waldrappteam

 

Königsetappe war der zweite Flug über den Arlberg bis auf den Reschenpass. Am 19. August starteten zwei Fluggeräte mit je zwei Personen und 29 jungen Waldrappen im Bregenzerwald in Vorarlberg. In etwas mehr als zwei Stunden legte die Formation 120 Kilometer zurück und landete auf einer Wiese am Reschenpass auf 1500 Metern Höhe über Meer an der Grenze zu Italien. Zwei Tage später, am 21. August, startet das Team bereits wieder, um die Strecke von 190 Kilometern über Meran und Bozen bis an den Nordrand der Poebene in knapp vier Stunden Flugzeit zurückzulegen. Die maximale Flughöhe der Vögel und der Fluggeräte betrug 2200 Meter, was neuer Rekord bedeutet. So konnten die Südtiroler Berge geradlinig überflogen werden. Selbst eine Adlerattacke kurz vor Meran konnte den Rekordflug nicht stoppen. Die Waldrappe reagierten sehr rasch und suchten die Nähe der Fluggeräte.

In diesem Jahr besteht das Migrationsteam aus 21 Personen. Mit dabei sind auch Wissenschaftler, die im Rahmen eines vom Österreichischen Wissenschaftsfonds finanzierten Forschungsprojektes untersuchen, wie und warum viele Zugvögel wie der Waldrapp in V-Formationen fliegen. Dazu tragen die Vögel während einiger Flüge speziell entwickelte GPS-Datenlogger. Zudem kooperiert das Team auch mit der ICARUS Global Observation System GmbH, die eine innovative Technologie zur Tierortung entwickelt. Die Waldrappe tragen Prototypen dieser fünf Gramm schweren Sender und
Bereits am 23. August geht die Reise weiter. Geplant ist ein Flug quer über die Poebene. Bei gutem Verlauf soll auch gleich noch der Apennin überflogen werden. Damit würde die Serie an Rekordflügen fortgesetzt. Über die Reise wird auf der Facebook-Seite des Projektes kontinuierlich berichtet. Kurz vor jedem Start wird ein Livetrack gepostet, über den man den Flug mit den Vögeln live mitverfolgen kann.

   http://www.facebook.com/waldrappteam

 

Pressemeldung vom 26. Juli 2018

Vier Waldrappen vom Zoo Zürich für die Wiederansiedlung

Der Zoo Zürich stellt vier junge Waldrappen zum Auswildern für das europäische Wiederansiedlungsprojekt «Reason for Hope» zur Verfügung. Am 25. Juli 2018 haben vier junge Waldrappen den Zoo Zürich Richtung Österreich verlassen. Die im Mai dieses Jahres geschlüpften Vögel, zwei Männchen und zwei Weibchen, werden im Rahmen des europäischen Projekts wieder angesiedelt. Der Zoo Zürich hat erstmals im Jahr 2008 fünf Tiere für das Naturschutzprojekt zur Verfügung gestellt.

Waldrappe aus dem Zoo Zürich für das internationale Projekt./Un des ibis chauves du Zoo de Zurich pour le projet international. Photo: Zoo Zürich/Gina Moergeli

 

Pressemeldung vom 22. Juli 2018

Tod durch Stromschlag

Am 21. Juli 2018 starben zeitgleich vier Waldrappe durch Stromschlag auf einem ungesicherten Mittelspannungsmast im Gemeindegebiet von Hochburg-Ach in Oberösterreich. Die Vögel nutzten den Mast als Rastplatz und stellten einen tödlichen Kurzschluss zwischen Leitung und Mast her. Am darauf folgenden Tag starb noch ein fünfter Waldrapp am selben Mast. Der betreffende Mast wurde inzwischen von der Netz Oberösterreich GmbH durch einen Überbau vorläufig gesichert. Zudem wurde in einem Gespräch zwischen Vertretern der Energie AG OÖ und dem Waldrappteam die Sicherung gefährlicher Masten im gesamten Gemeindegebiet von Hochburg-Ach bis zur nächsten Brutsaison 2019 vereinbart. Dieses Beispiel zeigt, dass von in der Regel ungesicherten Mittelspannungsmasten eine grosse Gefahr für mittelgrosse und grosse Vögel wie Waldrappe und Weissstörche ausgeht. Dieses Problem betrifft nicht nur Strombetreiber in Deutschland und Österreich, sondern explizit auch die aktuelle Situation in der Schweiz.

Pressemeldung Waldrappteam

Gefährliche Landung von Waldrappen auf einem ungesicherten Strommasten./Atterrissage dangereux d’ibis chauves sur un mât électrique non sécurisé. Photo: Waldrappteam

 

Ungesicherte Mittelspannungs-Strommasten töten immer wieder Waldrappe./Les mâts électriques de moyenne tension non sécurisés tuent régulièrement des ibis chauves. Photo: Waldrappteam