Ein Erdmännchen sitzt auf einem Fels und schaut in die Weite
Erdmännchen, Bild: Zoo Zürich, Oliver Malidcem

Artenmanagement in wissenschaftlichen Zoos

Artenschutz in wissenschaftlich geführten Zoos bedeutet nicht nur, bedrohte Arten zu halten. Es bedeutet auch, Tierbestände langfristig zu planen, genetisch gesund zu erhalten und schwierige Zielkonflikte offen anzusprechen.

Die zooschweiz-Zoos beteiligen sich an international koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen. Deren Ziel ist der Erhalt stabiler, genetisch vielfältiger Reservepopulationen. Dafür braucht es Fortpflanzung, die Aufzucht von Jungtieren, den Austausch von Tieren zwischen Zoos und eine laufende fachliche Beurteilung der Bestände. Gerade bei sozialen Tierarten ist Nachwuchs wichtig: Jungtiere entwickeln sich im Kontakt mit erwachsenen Tieren, lernen Verhalten, Sozialstrukturen und arttypische Fähigkeiten – und sichern zugleich den Fortbestand einer Population. Populationen, die kaum noch Jungtiere hervorbringen, überaltern und verlieren langfristig ihre Funktion als Reservepopulation. Darauf weisen auch aktuelle Arbeiten der Universität Zürich und des Zoo Zürich hin.

Witwenpfeifgans mit jungen Kücken stehen auf einem Stein
Witwenpfeifgans (Dendrocygna viduata), Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Tötung als mögliche Massnahme

Während sich Populationen in der Natur durch Geburt, Abwanderung und Tod regulieren, müssen diese Prozesse im Zoo bewusst gesteuert werden. Der Platz ist begrenzt, und nicht für jedes Tier gibt es einen geeigneten Abgabeplatz in einer anderen Einrichtung. Wenn ein Tier für den Erhalt der Population nicht mehr eingesetzt wird und keine geeignete Platzierung möglich ist, gehört nach sorgfältiger Prüfung auch die Tötung zu den möglichen Massnahmen. Sie muss gemäss Schweizer Tierschutzrecht angst- und schmerzfrei erfolgen. Artenmanagement ist damit ein anspruchsvoller, mitunter unbequemer Bestandteil moderner Zoos – aber eine Voraussetzung dafür, dass Reservepopulationen langfristig gesund bleiben.

Tiere aus Zoos lassen sich auch nicht einfach auswildern. Dafür braucht es ein fachlich geplantes Wiederansiedlungsprogramm, geeignete Tiere, langfristig geschützte Lebensräume und die Beseitigung oder ausreichende Reduktion jener Gefahren, die zum Verschwinden der Art geführt haben. Sind diese Bedingungen erfüllt, durchlaufen Tiere einen mehrstufigen Prozess – abhängig von der jeweiligen Art. Dazu gehören zum Beispiel Quarantäne, die Angewöhnung an das neue Habitat sowie der Aufbau überlebenswichtiger Verhaltensweisen wie Futtersuche, Orientierung oder Feindvermeidung. Ebenso wichtig ist, dass die Tiere eine natürliche Scheu gegenüber Menschen aufweisen.

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Ein Gruppe Dscheladas sitzt dicht beieinander auf einem Felsen
Dscheladas/Blutbrustpaviane (Theropithecus gelada), Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini