
Nachhaltigkeit in wissenschaftlichen Zoos: Verantwortung auf mehreren Dimensionen
Wissenschaftlich geleitete Zoos setzen sich für den Erhalt der Biodiversität ein – in ihren Tierhaltungen, in Bildungs- und Forschungsprogrammen und in konkreten Artenschutzprojekten. Nachhaltigkeit bedeutet für sie aber auch, ihre Betriebe langfristig tragfähig zu finanzieren und den eigenen ökologischen Fussabdruck weiter zu verringern.
Erwirtschaftete Mittel fliessen in den Betrieb zurück
Zoos sind in der Schweiz unterschiedlich organisiert: als Vereine, Stiftungen, gemeinnützige Aktiengesellschaften oder – seltener – als Einrichtungen der öffentlichen Hand. Der Tierpark Bern ist das einzige zooschweiz-Mitglied, das vollständig einer Gemeinde gehört, in diesem Fall die Stadt Bern. Gemeinsam ist den wissenschaftlich geleiteten Zoos von zooschweiz, dass der kommerzielle Profit nicht im Vordergrund steht. Erwirtschaftete Mittel fliessen in den Betrieb zurück: in die Tierhaltung, in die Pflege und Weiterentwicklung der Anlagen, in Bildung, Forschung sowie in Natur- und Artenschutz.
Gerade grössere Infrastrukturprojekte lassen sich oft nicht allein aus dem laufenden Betrieb finanzieren. Neue Anlagen, Sanierungen oder energieeffiziente technische Einrichtungen sind teuer. Viele Zoos sind deshalb auf Spenden, Legate, Beiträge von Stiftungen sowie Zuwendungen von Unternehmen und Privatpersonen angewiesen. Diese Unterstützung ermöglicht Investitionen, die den Tieren, den Besucherinnen und Besuchern und der langfristigen Entwicklung der Zoos zugutekommen.
Ökologische Dimension
Nachhaltigkeit hat auch eine ökologische Dimension. Wissenschaftlich geführte Zoos setzen sich für den Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume ein. Sie unterstützen Natur- und Artenschutzprojekte im In- und Ausland, fördern Biodiversität auf dem eigenen Gelände und vermitteln Wissen über die Zusammenhänge in der Natur. Gleichzeitig ist klar: Auch Zoos verbrauchen Ressourcen. Tieranlagen benötigen Wasser, Energie, Futter, Baumaterialien und technische Infrastruktur. Besucherrestaurants, Beschaffung, Mobilität und Abfallmanagement sind weitere Bereiche, in denen nachhaltige Lösungen nötig sind.
Der Europäische Verband der Zoos und Aquarien (EAZA) hält deshalb fest, dass Zoos und Aquarien ihren ökologischen Fussabdruck verringern und mit Ressourcen bewusst umgehen sollen. Dazu gehören unter anderem ein sparsamer und möglichst kreislauforientierter Umgang mit Wasser, der Einsatz erneuerbarer Energie, effiziente Heiz- und Kühlsysteme sowie eine nachhaltigere Beschaffung von Lebensmitteln und Futter. Die EAZA verbindet diese Betriebsverantwortung ausdrücklich mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, insbesondere mit verantwortungsvollem Konsum, Bildung sowie dem Schutz von Leben an Land und im Wasser. Alle zooschweiz-Mitglieder sind bei der EAZA akkreditiert.
Die zooschweiz-Zoos arbeiten in diese Richtung. Sie fördern lokale Zusammenarbeit und regionale Wertschöpfung und verbessern ihre Abläufe Schritt für Schritt. Am Ziel sind sie noch nicht. Der Anspruch bleibt jedoch klar: Zoos sollen nicht nur über Nachhaltigkeit sprechen, sondern sie im eigenen Betrieb glaubwürdig umsetzen. Ihr Beitrag zur Biodiversität beginnt bei den Tieren und Lebensräumen, für die sie Verantwortung übernehmen – und reicht bis zur Frage, wie sie selbst wirtschaften, bauen, einkaufen und Ressourcen nutzen.
Grundsätze der EAZA für nachhaltiges Wirtschaften (auf Englisch)
Die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen (auf Englisch)